ich habe den eindruck, dass eigentlich jedem nachdenkendem viele der für mich offensichtlichen fragen zu glauben und leben auf der zunge liegen müssten. oder geht das nur mir so, dass ich mehr fragen als befriedigende antworten habe und jede simple antwort sich entweder selbst entlarvt oder weitere fragen mit noch größerem risiko-potential aufwirft? aber es ist wohl so, dass fragen und zweifel gefährlich für den glauben angesehen werden, auch für andere, die nicht so "fest" im glauben stehen, aber das heißt doch eher, dass diese noch nicht so unbeirrbar auf die verbindlichen dogmen eingeschworen sind. ich hatte ewigkeiten angst vor diesen fragen, weil ich keine antworten hatte, und deshalb auch davor, dass andere mir meine fragen stellen. dabei muss die wahrheit im gegensatz zur lüge und engen dogmen keine angst vor fragen haben, fragen erhellen die wahrheit, und sind nur gefährlich für irrlehren, die dadurch entlarvt werden.
das fiel mir irgendwann beim unserem gespräch beim hossa-talk regionaltreffen auf, dass die geforderte rücksicht auf die schwachen nur ungesunde irrlehren stabilisiert, aber keinen gesunden glauben.
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Montag, 10. April 2017
Freitag, 1. Mai 2009
meine und deine und die wahrheit
viel missverständnisse, interessenskonflikte, streit, kriege, ... zwischen kindern bis hin zu völkern kommen daher, dass man sich nicht über die wahrheit verständigen kann.
jeder stellt sein empfinden als die absolute wahrheit hin, die aber doch nur seine wahrheit, sein empfinden, ist, und es ist sehr schwer und setzt eine bewusste entscheidung voraus, dass ich den unterschied zwischen meiner wahrheit und der wahrheit, der wirklichkeit, akzeptiere. dies beginnt damit, dass ich die empfindung und die erkenntnis des anderen nicht minderwertig einschätze. viele menschen schaffen das nicht und leben mit dieser lebenslüge, dass ihre empfindung die norm wäre und werden so zu tyrannen und tun den gefühlen und oft auch dem ganzen leben anderer dadurch gewalt an.
meine wahrnehmung der wirklichkeit, mein empfinden von gerechtigkeit, wird sehr stark durch meine interessen geprägt, - finanziell, emotional, beruflich, ... - bis dahin, dass gebildete menschen sich über fakten streiten, die man mit etwas aufwand nachprüfen könnte.
verständigung heißt dagegen, dass ich das empfinden des anderen, seine unterschiedliche wahrnehmung der wirklichkeit ernst nehme und nicht meine wahrheit als allgemeingültig dagegen setze, sondern daneben stelle - und dem anderen anbiete, darüber zu reden mit dem ziel, dass wir unbefangen nach einer wahrheit suchen, die über unsere beiden wahrheiten hinausgeht, und die der wirklichkeit näher kommt, als unsere beiden wahrheiten für sich allein.
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Dienstag, 28. April 2009
du sollst dir kein bildnis machen
selbst jedes richtige bild zeigt nur einen teil der wirklichkeit und falsch interpretiert lügt es. die interpretation ist aber abhängig vom betrachter und somit hängt es vom betrachter ab, ob ein bild lügt. und das bild als die ganze wahrheit ansehen und daneben nichts gelten lassen, schon gar nichts widersprüchliches, ist genauso halbe wahrheit und daher lüge.
das verbot "du sollst dir kein bildnis machen!" soll diese doppelte gefahr von bildern ausschließen. aber selbst gott ist vater ist doch auch ein bild. es schränkt ein: gott ist nicht mutter - obwohl er tröstet, "wie einen seine mutter tröstet", also ist gott auch mutter, wenn es um trost geht. aber gott ist nie vater im biologischen sinn, sondern nur übertragen, und diese übertragung ist vielfach problematisch, setzt es doch voraus, dass meine projektion hier positiv besetzt ist. für ein vom vater brutal behandeltes kind ist der vater immer etwas bedrohliches.
wenn ich ein verständnis einer sache habe, die nicht dem allgemeinen konsens entspricht, dann ist verständigung über bilder schwierig, man wird sich zwangsläufig nicht einig werden können, weil jeder von einem anderen verständnis ausgeht. verständigung heißt dann, dass ich mich von dem einfachen bild für eine komplexe sache löse und versuche, die atomaren aussagen zu formulieren. also gott ist vater bedeutet, ich spüre schutz, hilfe ins leben, identifikation, fürsorge, ...
ferner, wenn bilder nur einen teil der wirklichkeit korrekt beschreiben, dann muss es zwangsläufig widersprüchliche bilder geben, wenn wir den geltungsbereich des bildes nicht korrekt abgrenzen. verständigung müsste dann auch hier einschließen, dass ich meine interpretation klar lege, wenn missverständnisse oder gar konflikte auftauchen.
Mittwoch, 25. März 2009
fragen
wer fragt, ...
... ist dumm!
... gibt zu, dass er nicht weiß, was doch jeder weiß!
... zweifelt!
... hinterfragt!
... klagt!
... klagt an!
... hat anfragen!
... ist lästig, insbesondere wenn er kind ist!
oder ist es eher so, dass nur wer fragt, klug ist, weil er durch fragen klug wird, - besser als durch schaden? ist das offene, ehrliche fragen aus der mode gekommen?
schüler sollen möglichst nur fragen, was im lehrplan vorgesehen ist, und worauf der lehrer eine antwort hat. eigenes denken, fragen in neuen bahnen, führt nicht zu den vorgegebenen lernzielen, - vielleicht zu anderen, ungeahnten, besseren, die aber aus dem rahmen fallen, die im zeugnis keine punkte geben.
menschen mit fragen, die aus dem rahmen fallen, fallen auf und aus dem rahmen.
will man durch fragen den anderen kennenlernen, um ihn zu verstehen, oder eher um seine schwächen auszuloten, durch die die eigenen stärken hervortreten?
wer fragt, muss sich entschuldigen und rechtfertigen, er muss klarstellen, dass er nicht anklagen will, sondern ehrlich an einer antwort interessiert ist.
leider ist es eine unsitte in unserer gesellschaft, dass "warum ...?" oft anklagen statt offenes fragen ist. und jeder, der "warum ...?" fragt, setzt sich dem vorwurf aus, auch nur anzuklagen. sicher, man muss selbst sehr ehrlich in sich fragen, ob wirklich jedes fragen aus dem wunsch nach antwort herrührt, oder ob nicht doch subtile vorwürfe dahinter versteckt sind, die sich in den schafspelz einer frage verkleidet viel unschuldiger anhören. und oft ertappt man sich dabei, dass sich in einem nebensatz doch massive anklage in das fragen mengt. und aus einem interessierten, offenen fragen und antworten, wird anklage und verteidigung, und statt zunehmender wahrheit entzündet sich ein streit und die wahrheit wird dem kampf um die eigenen interessen geopfert.
trotz allem, wer ehrlich fragt, ...
... lernt noch dazu!
und wer neues lernt, der ist noch jung!
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